Warum hängen wir ständig am Smartphone? Weil wir uns selbst nicht mehr aushalten, sagt der Psychologe und Zeitforscher Marc Wittmann in einem Beitrag der Zeit. Die Konsequenz der permanenten Selbstberieselung und Dauerablenkung: „Wir wissen nicht mehr, wie es uns geht, verlieren den Kontakt zu uns.“ Schon fünf Minuten seien zu viel – wir holen das Handy raus. Die meisten kennen dieses lästige Verhalten.

Die Fragmentierung des Alltags betrifft auch die körperliche Ebene. Viele Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie mehr als nur flüchtig berührt werden. Im Rahmen der Körperarbeit kann man das gut beobachten: Es dauert in der Regel eine halbe Stunde und mehr, bis sich die EmpfängerInnen wirklich einlassen können. Eine dreistündige Massage? Nicht wenige reagieren auf dieses Angebot irritiert – es scheint nicht mehr in die heutige Zeit zu passen. Schließlich sind wir auch beim Spüren auf den schnellen Kick trainiert.

Laut Wittmann greifen wir permanent zu Smartphone & Co., weil wir uns nicht langweilen wollen. Was schnell pathologisch anmutende Züge annimmt, kann auch in der Sexualität zum Problem werden. Und zur Sucht. Überbordender Konsum von Pornografie, das Hangeln von einem Tinder-Date zum nächsten, die Suche nach dem absoluten Höhepunkt.. Langeweile hat viele Gesichter.

Wie wäre es mit einem Wechsel der Perspektive? Statt der Langen-Weile mit kürzeren Episoden zu begegnen, könnten wir versuchen, das Erlebte auszuhalten. Und dadurch besser wahrzunehmen. Achtsamkeit ist in vielen Fällen zur hippen Mode verkommen, ja gar selbst zum Konsumgut geworden. Doch die Prinzipien dahinter haben nichts an Wirkungskraft eingebüßt. Es ist gar nicht so einfach, in die Natur zu gehen, und das Smartphone zu Hause zu lassen. Oder sich drei Stunden berühren zu lassen. Aller Dinge Anfang ist klein. Achtsames, hinspürendes Verhalten kann man genauso verinnerlichen, wie wir uns den Griff zum Handy antrainiert haben.

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Bilder: Jose A.Thompson, Skyler King @ Unsplash

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