Wir reden aneinander vorbei

Teile der Politik wollen in diesen Tagen auf Väter zugehen, die sich nach einer Trennung weiterhin um ihre Kinder kümmern. Gleichzeitig lese ich wütende Kommentare von Frauen, denen diese Initiative zu weit geht. Als Vater, der zeitweise darum kämpfen musste, seine Tochter weiterhin sehen zu dürfen, habe ich meine ganz eigene Meinung zu dem Thema. Und doch sehe ich, dass es hier kein Unrecht und kein Recht gibt. Jede noch so verschiedene Meinung hat einen Kern, der verständlich ist. Selbst jene, die meiner persönlichen Erfahrung diametral entgegenstehen.

Wie kommt es, dass Mann und Frau so oft aneinander vorbeireden? Und das, obwohl beide Seiten „Recht“ haben? Selbst in tantrischen Kreisen begegnet mir dieser Kampf, wie jüngst erst bei einem Seminar. Schnell sind wir bei der Kategorisierung Freund und Feind, oder gar Täter und Opfer. Es entstehen Grüppchen, Frauen und Männer solidarisieren sich. Innerhalb der Gruppen macht sich Zwietracht breit, weil einzelne Frauen Verständnis für die Männer zeigen und umgekehrt. Irgendwann ist die Situation so verfahren, dass das Gesprochene nicht mehr gehört oder verstanden wird und noch mehr entzweit. Gegenseitige Achtsamkeit ist dann auf dem Rückzug.

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Halten wir uns selbst noch aus?

Warum hängen wir ständig am Smartphone? Weil wir uns selbst nicht mehr aushalten, sagt der Psychologe und Zeitforscher Marc Wittmann in einem Beitrag der Zeit. Die Konsequenz der permanenten Selbstberieselung und Dauerablenkung: „Wir wissen nicht mehr, wie es uns geht, verlieren den Kontakt zu uns.“ Schon fünf Minuten seien zu viel – wir holen das Handy raus. Die meisten kennen dieses lästige Verhalten.

Die Fragmentierung des Alltags betrifft auch die körperliche Ebene. Viele Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie mehr als nur flüchtig berührt werden. Im Rahmen der Körperarbeit kann man das gut beobachten: Es dauert in der Regel eine halbe Stunde und mehr, bis sich die EmpfängerInnen wirklich einlassen können. Eine dreistündige Massage? Nicht wenige reagieren auf dieses Angebot irritiert – es scheint nicht mehr in die heutige Zeit zu passen. Schließlich sind wir auch beim Spüren auf den schnellen Kick trainiert.

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Häufig gestellte Fragen zur Tantra Massage

Im Vorgespräch zur Massage begegnen mir einige Fragen, die immer wieder gestellt werden. Ich habe die wichtigsten Antworten für dich zusammengefasst. Dir fehlt eine Frage? Ergänze sie in den Kommentaren am Ende des Beitrags, dann beantworte ich sie gerne.

Was ist eine Tantra Massage?

Die Tantra Massage ist eine ganzheitliche Massage für Frauen und Männer. Sie bezieht – im Gegensatz zu konventionellen Massagen – den gesamten Körper mit ein. Zudem dauert sie deutlich länger, in der Regel bis zu drei Stunden und mehr. Ziel der Massage ist es, zurück ins Spüren zu kommen, damit du deinen Körper und deine Sinne wieder mehr wahrnimmst. Oder um deine eigene sexuelle Energie intensiver kennenzulernen. Mehr zu den Hintergründen der Massage und ihren Auswirkungen findest du in diesem Beitrag, inklusive einem Video zur Massage.

Ist Tantra Sex?

Nein. Bei einer seriösen Tantramassage kommt es zu keinem sexuellem Austausch oder gar Geschlechtsverkehr zwischen Masseur/Masseurin und dem Gast. Die Rollen zwischen gebender und empfangender Person sind klar getrennt. Eine Tantra Massage ist jedoch sehr sinnlich und intim. Deine Lust ist jederzeit erlaubt, sie muss jedoch keineswegs im Vordergrund stehen. In vielen Fällen passieren ganz andere Dinge – du kommst zurück ins Spüren und zu dir selbst, erlebst verschiedenste Emotionen und/oder machst Erfahrungen spiritueller Natur. Kläre im Vorgespräch, wie viel Nähe und Berührung du dir wünschst, und benenne ganz klar deine Grenzen.

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Tantra Massage: Wie umgehen mit der eigenen Lust?

Die professionelle Tantra Massage folgt dem Prinzip der Absichtslosigkeit. Es geht rein um den oder die EmpfängerIn, als Massierender nimmt man sich zurück. Dieses Prinzip musste man mir im Rahmen der Ausbildung nicht erklären – ich hatte es schon automatisch verinnerlicht. Doch was passiert, wenn ich in meine eigene Lust komme? In manchen Fällen wird die Erfahrung für beide Seiten intensiver, wenn ich alle Empfindungen zulasse. Darf das sein, im Rahmen der Massage?

Um ein weit verbreitetes Missverständnis gleich vorwegzunehmen: Die Lust steht keineswegs immer im Vordergrund einer Tantra Massage. In vielen Fällen – gerade bei jenen, die zum ersten Mal eine solche Massage empfangen – passieren ganz andere Dinge. Man kommt zurück ins Spüren und zu sich, erlebt eine Achterbahn der verschiedensten Emotionen, und/oder macht Erfahrungen sehr spiritueller Natur. Für wieder andere ist es nichts anderes als Entspannung pur, und das ist auch gut so.

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Tantra und Enttäuschung

Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag. Dennoch will ich es versuchen. Er handelt von einem Aspekt, der in der tantrischen Welt zwar nicht ausgeblendet wird, über den man in der Regel dennoch nicht gerne spricht. Es geht um Zweifel, Scheitern, Enttäuschung.

Im Rahmen von Seminaren – und meiner eigenen inneren Einkehr – durfte ich mehrere Male Dinge erleben, für die es keine Worte gibt. Manche würden es als Glückseligkeit bezeichnen. Andere als Ekstase, wieder andere als Frieden, Weite, Zeitlosigkeit. Ich selbst nenne es für mich die Unendlichkeit. Ein nicht gerade kleiner Begriff. Je höher man fliegt, umso tiefer ist der Absturz. Das klingt dramatischer, als es ist.

Und doch hatte ich damit zu kämpfen, wenn nach der Ekstase der Alltag folgte. Eine ganze Zeit lang konnte ich sie wiederherstellen, die Ekstase, „reproduzieren“ quasi. Da war alles gut. Ich war in Sicherheit. Dann gelang es mir plötzlich nicht mehr. Mir ist bewusst: Je mehr man etwas hinterherjagt, umso weniger erreicht man es. Ich übte mich täglich in Gelassenheit, durch Meditation und ähnliche Dinge. Dennoch war da ein tief verwurzelter Schmerz.

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