Hand anlegen? Sich selbst befriedigen? Körperliche Selbstliebe ist toll. Egal ob du Single bist oder nicht. Doch wir Männer neigen dazu, unser bestes Stück recht grob und einseitig zu behandeln. Dann spürst du nicht mehr viel. Ich zeige dir ein paar Alternativen – für mehr Abwechslung und intensiveres Erleben.

Selbstbefriedigung? Na klar!

Männer und Frauen sprechen nicht gerne über Selbstbefriedigung. Und doch ist sie ein wichtiger Bestandteil unserer Sexualität. Du vertiefst dein Spüren und lernst deinen Körper besser kennen, wenn du dich regelmäßig selbst berührst. Weitere Vorteile der Selbstliebe:

  • Wenn du dir selbst sicher bist, dann lässt du dich auch in einer Partnerschaft besser fallen
  • Du kannst deiner Partnerin oder deinem Partner zeigen, was dir gefällt
  • Dein Liebesspiel wird facettenreicher und hält länger an
  • Bislang unbekannte Empfindungen erweitern deine Sexualität
  • Du bekommst einen neuen Zugang zu deiner Männlichkeit

Sex für dich alleine ist wichtig, auch in einer Beziehung. Und er ist genauso gut wie die Intimität zu zweit. Ich möchte die Zweisamkeit mit meiner Partnerin niemals missen, sie ist unvergleichlich. Aber die Selbstliebe ist ebenfalls sehr erfüllend – auf eine andere Art und Weise. Ihr schafft es, euch offen und ehrlich über eure Solo-Sexualität auszutauschen? Perfekt. Das bereichert euer gemeinsames Liebesleben.

Vom Masturbieren zur Selbstliebe

Bei den meisten Männern sieht das regelmäßige Verwöhnprogramm allerdings so aus: Eine Hand um das beste Stück, und dann möglichst schnell und kräftig hin und her. Kein Wunder, dass uns keine schöneren Wörter als „Masturbieren“ oder „Wichsen“ dazu einfallen. Letzteres kommt wohl von „schlagen, prügeln“. Wie treffend. Das stumpft ab und du wirst weniger sensibel.

Doch es geht auch anders. Mit mehr Achtsamkeit und Slow Solo Sex. Nach und nach lernst du deinen Körper neu kennen. Und du entwickelst mehr Respekt ihm gegenüber. Nachfolgend meine wichtigsten Tipps auf dem Weg dorthin. Ich verwende dabei das Wort Lingam für „Penis“ oder „Glied“, auch das hat etwas mit der Achtung vor dir selbst zu tun.

Dein Raum, deine Zeit.

Ab auf die Toilette, es sich schnell und verschämt „besorgen“? Bitte nicht. Sexualität ist so viel mehr als Triebabfuhr und Einschlafhilfe. Nimm dir genügend Zeit für dich, wenn du deinen Körper erkundest. Unter Stress und Eile wirst du deutlich weniger empfinden. Oder auch überhaupt nichts.

Eine solche Ich-Zeit sollte nicht nur für Singles möglich sein, sondern auch in jeder Beziehung. Heimlichkeit und Scham killen oft jedes Lustempfinden. Deswegen sprecht darüber, dass ihr regelmäßig alleine sein wollt, und warum. Natürlich könnt ihr euch auch voreinander selbst berühren – das ist ein sehr lustvoller und intimer Moment. Doch erkunde dich erst einmal alleine. Es hat eine andere Qualität.

Ähnliches gilt für den Raum, in dem du dich selbst berührst. Wir Männer sind hier nicht immer sehr kreativ. Aber glaube mir: Es macht einen deutlichen Unterschied, ob du dich in einem unordentlichen und vollgestopften Schlafzimmer verwöhnst, oder in einer ruhigen, sauberen und schönen Umgebung. Zelebriere deinen Abend (oder deinen Morgen) ganz bewusst. Eine dezente Beleuchtung, das Herrichten deines Raumes, ein Bad vorab oder auch eine Meditation können kleine Wunder bewirken. Schaffe dein eigenes Selbstliebe-Ritual.

Sanftere Berührung

Schnelle, heftige Bewegungen bei der Selbstbefriedigung? Das haben wir uns über viele Jahre antrainiert. Und es ist gar nicht so einfach, dieses Muster zu durchbrechen. Versuche einmal Folgendes:

  • Lege den Zeigefinger deiner Hand auf dein Frenulum (auch Vorhautbändchen genannt). Der Mittel- und Ringfinger liegen direkt darunter.
  • Dein Daumen liegt auf der anderen Seite deines Lingam, also Richtung Körper, und stützt diesen.
  • Mache nun sanfte, kreisende Bewegungen mit deinem Zeigefinger. Mit ganz leichtem Druck.
  • Alternativ kannst du die gleiche Bewegung mit Zeige-, Mittel und Ringfinger gleichzeitig machen. Variiere Tempo und Druck, aber bleibe ruhig dabei.

Das ist nur eine von mehreren Übungen, wie sie beispielsweise bei der Lingam Massage zum Einsatz kommen. Du kannst auch mit Daumen und Zeigefinger einen Ring unterhalb deiner Eichel bilden, denn du rhythmisch enger und wieder weiter machst. Manche Männer mögen die beiden Übung lieber, wenn die Vorhaut dabei über der Eichel ist (sofern du noch eine Vorhaut hast). Andere bevorzugen eine direkte Berührung von Eichel bzw. Frenulum. Erkunde nach und nach, welche Berührungen dir gut tun. Gehe spielerisch dabei vor. Dein Körper ist ein Kunstwerk.

Der eben beschriebene Ablauf eignet sich prima als Basis, um vom schnellen „Wichsen“ wegzukommen. Am Anfang spürst du dabei vielleicht nicht viel. Doch mit ein wenig Training stellst du einen deutlichen Unterschied fest. Die Gefühle werden intensiver. Auch deine sexuelle Energie kannst du viel besser im Körper verteilen, wenn du es langsamer angehst. Dazu gleich noch mehr.

Entspannte Erektion

Dein Lingam muss hierfür übrigens keinesfalls voll erigiert sein. Die beschriebenen Übungen gelingen sogar im nicht-steifen Zustand. Das gilt für alle folgenden Tipps. Sehr viele Männer hadern mit der Größe ihres Lingams. Wir können uns immer wieder sagen, dass die 18+ Zentimeter eine absolute Ausnahme sind. Dass sie hauptsächlich in (oftmals manipulierten) Pornos vorkommen. Oder dass wir eine Frau auch mit deutlich weniger zufriedenstellen können. Und doch sind da die Zweifel.

Achtsamere Selbstliebe ist ein Weg, die Zufriedenheit mit deinem Körper und mit deinem wunderbaren Lingam zu steigern. Wenn ich mich selbst sanft berühre, dann ist mein bestes Stück meist in einem Dreiviertel-Zustand. Und wenn ich sanft Sex mit meiner Partnerin habe, dann ist es genauso. Er muss nicht immer voll da sein. Das Gefühl ist genauso intensiv. Diese Erfahrung hat mein Liebesleben deutlich entspannter gemacht – zuerst alleine, aber dann auch zu zweit.

Die Energie verteilen

Wenn wir uns schnell und heftig befriedigen, dann nehmen wir fast nur in unserem Lingam etwas wahr. Und für wenige Sekunden auch in unserem Kopf – beim Orgasmus. Auch dazu komme ich gleich noch. Wenn du bewusster vorgehst, dann kannst du deine Empfindungen und deine sexuelle Energie in andere Regionen verteilen. Und dort auch wahrnehmen. Beispielsweise im Brustraum, in deiner Herzregion oder irgendwann gleichzeitig im ganzen Körper. Ein äußerst magischer Moment.

Spirituelle Menschen verbinden die körperliche Selbstliebe teils mit der Arbeit an ihren Chakren. Um etwa Sex und Herz miteinander zu verbinden. Erfahrene Männer (und natürlich auch Frauen) sind in der Lage, ihre sexuelle Energie in jedes beliebige Körperteil zu „lenken“, um sie dort zu spüren. Das ist ein wichtiger Schritt hin zum sogenannten Ganzkörper-Orgasmus.

Setze dich jedoch niemals unter Druck. Das orgiastische Empfinden kann höchst unterschiedlich sein, wie ich gleich noch erkläre. Wenn du ein bestimmtes Bild im Kopf hast, wie sich der sexuelle Höhepunkt anfühlen sollte, dann wirst du ihn so nicht erreichen. Schon gar nicht, wenn du dieses Bild aus Pornos & Co. beziehst.

Übung für achtsame Selbstliebe

Die folgende Übung hilft dir dabei, dich bewusster zu berühren. Auch das schrittweise Ausdehnen deiner Energie wird dir damit leichter fallen:

  1. Nimm dir ein paar Stunden Zeit nur für dich. Sorge für eine ungestörte und schöne Atmosphäre. Schalte das Handy aus.
  2. Liebe dich selbst. Geh langsam dabei vor, wie unter „Sanftere Berührung“ beschrieben. Erkunde zusätzlich immer wieder deinen ganzen Körper.
  3. Das Wichtigste: Wenn du erregt bist, dann schalte dein Kopfkino ab, während du dich weiter stimulierst. Bilder lenken dich beim Hineinspüren ab.
  4. Beobachte stattdessen genau, welche Empfindungen an welcher Stelle deines Körpers auftauchen, und wohin sie sich entwickeln.
  5. Gehe nicht bis zum Höhepunkt, sondern bleibe in der Phase davor.

Du stehst kurz vor der Ejakulation? Dann lasse die Empfindungen abkühlen. Spüre nach, und stimuliere dich erst dann wieder. Genieße das Auf und Ab. Du kannst diese Erregung eine ganze Weile genießen. 10 Minuten, eine halbe Stunde, irgendwann eine Stunde und mehr. Am Anfang ist das ungewohnt – wir halten unsere eigene Lust oft nur schwer aus, siehe diesen Beitrag.

Bald schon wirst du spüren, dass es Unterschiede im Vergleich zu deiner gewohnten Selbstbefriedigung gibt. Du nimmst feine Nuancen und unterschiedliche Empfindungsstufen deiner Lust wahr. Irgendwann wandelt sich die Selbstliebe so zur Meditation. Ruhig, und zugleich mit einem Feuerwerk an Gefühlen. Aus dem einst schnellen Quickie können dann Stunden werden.

Selbstbefriedigung ohne Ejakulation

Jetzt noch ein Tipp, der sich für viele Männer zunächst fremd anhört. Eine erfüllte Selbstliebe hat nur wenig bis nichts damit zu tun, ob du den klassischen Orgasmus erreichst. Oder anders formuliert: Orgasmus und Ejakulation sind zwei verschiedene Dinge. Mit achtsamer Selbstliebe und auch im Tantra lernt Mann:

  1. Dass es nicht immer einen Höhepunkt geben muss, um „befriedigt“ zu sein
  2. Dass es Orgasmen gibt, ohne zu ejakulieren

Sexuelle Selbsterfahrung befreit dich sehr, wenn du sie genauso tief genießen kannst, ohne zu einem Höhepunkt zu kommen. Und der Orgasmus ohne Ejakulation geht für mich meist viel tiefer, als der normale. Zudem hält er deutlich länger an.

Es geht dabei nicht um eine bestimmte Technik. Wenn du deine männliche Sexualität bzw. den Orgasmus als Sport ansiehst, dann löst du nur die eine Erwartungshaltung durch die nächste ab. Meine neuen Empfindungen habe ich durch achtsame Selbstliebe „gelernt“. Indem ich diese nach und nach ausdehnte, und dabei weniger ejakulierte. Mach dies jedoch keinesfalls zum Dogma. Mehr hierzu kannst du in meinen Beiträgen Vergiss den Orgasmus sowie Vom Programm zur Lust nachlesen.

Kein Porno.

Pornosucht ist weit verbreitet, in unterschiedlichen Abstufungen. Pornografie ist ein Killer für deine Empfindungen. Denn du konzentrierst dich auf ein Bild, statt auf deinen Körper. Ich habe eine ganze Weile regelmäßig pornografische Inhalte konsumiert. Seit ich darauf verzichte spüre ich mich wieder viel intensiver. Probiere es einmal aus: Was machen zwei Monate Verzicht mit deiner Empfindungsfähigkeit? Und was passiert, wenn du dich zusätzlich ohne Kopfkino stimulierst? Du musst nicht komplett enthaltsam leben. Aber setze deine Fantasien gezielt ein.

Ähnliches gilt für Sexspielzeug. Auch wir Männer bekommen immer öfter eingeredet, dass es ohne Dildo, Vibrator & Co. nicht mehr geht. Sex Toys können dein Liebesleben auffrischen. Oder dir dabei helfen, neue Regionen deines Körpers zu erforschen. Doch bei zu viel Einsatz droht die Gefahr, dass du abstumpfst – ähnlich wie bei Pornos oder bei zu einseitiger Masturbation. Wann sich die maschinelle Stimulation negativ auswirkt, das verrate ich dir in diesem Text.

Du bist mehr als dein Penis

Ein Lingam ist eine fantastische Sache. Er schenkt dir wunderbare Gefühle. Und er ist – ähnlich wie die Yoni der Frau – wahnsinnig vielschichtig. Vorausgesetzt du nimmst dir die Zeit, ihn ausführlich zu erkunden. Doch auch wir Männer haben noch viel mehr erogene Zonen! Warum ich das so betone? Weil wir uns in der Regel auf unser bestes Stück konzentrieren. Und auf sonst nichts.

Du hast zwei Hände. Wenn du dich das nächste mal selbst liebst, dann nutze die andere Hand, um deinen kompletten Körper zu erkunden. Das braucht Zeit. Du wirst dich zwar spüren, aber du wirst die Berührungen zunächst nicht unbedingt als angenehm oder gar erotisch empfinden.

Hab Geduld. Irgendwann merkst du, wie empfindsam dein Brustbereich ist. Oder dein Bauch. Oder dein Gesicht. Und wie sehr das deine Lust fördert. Deine Partnerin oder dein Partner können dich hierbei unterstützen. Wenn du dich generell sehr wenig spürst, dann hilft auch ein Berührungscoaching.

Die andere Hand

Diesen ganz einfachen Hinweis habe ich von einem geschätzten Kollegen. Männer haben in der Regel eine bevorzugte Hand, mit der sie sich stimulieren. Meist ist es die dominante Hand – also die rechte bei Rechtshändern. Nimm beim nächsten Mal einfach ausschließlich die andere Hand. Das ist ungewohnt. Deine Bewegungen werden damit automatisch unterschiedlich ausfallen, und sie werden sanfter sein.

Ein weiterer Tipp: Benutze Gleitgel, wenn du deinen Lingam stimulierst. Etwa bei den Berührungen des Frenulums oder deiner Eichel. Für viele ist das ein völlig neues und teils auch intensiveres Gefühl. Verwende dazu hochwertiges Gleitgel, etwa von Pjur. Es fühlt sich sehr angenehm an und zieht nicht sofort wieder ein. Ich selbst bevorzuge die Variante auf Wasserbasis statt Silikon.

Richtig atmen und Töne

Wenn du fest und tief atmest, dann erhöht sich dein Bewusstsein. Im Alltag aber auch beim (Solo-) Sex. Gleichzeitig stärkst du dein Körperempfinden und deine Achtsamkeit. Du kannst spezielle Übungen machen, um deinen Atem zu festigen. Beispielsweise durch Yoga oder in der Meditation. Wenn ich mich selbst massieren lasse, um mein Spüren zu vertiefen, dann achte ich durchgängig auf eine tiefe Atmung. Oft sogar durch den offenen Mund. Irgendwann ist man so geübt, dass dieses achtsame Atmen zum Automatismus wird. Es ist dann keinesfalls mehr anstrengend.

Und der Effekt ist verblüffend: Ich nehme so viel mehr in meinem Körper wahr, wenn ich ihn bis in die Tiefe mit genügend Sauerstoff versorge. Töne beim Solo-Sex sind ein ähnlicher Baustein. Wir kennen diese oft nur aus Pornos – und meist nur von Frauen. Das ist schade. Wenn du Laute, ein Stöhnen oder sonstige Töne tief aus deinem Bauchraum zulässt, dann steigert sich automatisch der Grad deiner Empfindungen. Du brauchst Mut und Experimentierfreude, um die Tonspur mit hinzuzunehmen. Nach einer Weile wirst du sie nicht mehr missen wollen.

Das war nur ein kleiner Auszug der Möglichkeiten, wie aus der antrainierten Masturbation eine erfüllende Selbstliebe wird. Du hast Fragen oder Anmerkungen hierzu? Nutze einfach die Kommentarfunktion am Ende des Beitrags – auch anonym. Du willst über weitere Artikel informiert werden? Dann folge NachSpüren auf Facebook, Instagram oder über den Newsletter.

Bilder: Vinicius Costa, Samur Isma, Jamille Queiroz, Wil Stewart, Rodion Kutsaev

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3 Kommentare

  1. Ich habe die Tipps noch um den Punkt „Töne“ ergänzt. Mir ist aufgefallen, wie sehr meine Sexualität profitiert, seit ich hier mutiger vorgehe. Denn Töne, Laute und Stöhnen gesteht man den Frauen zu und fordert es gar – den Männern allenfalls ein brünftiges Grunzen. Für meine Partnerin war die laute männliche Sexualität anfangs ungewohnt. Mittlerweile vermisst sie etwas, wenn ich dabei ruhig bin.

  2. Sehr gute Tipps. Es wäre schön, wenn junge heranwachsende Männer, aber auch Männer allgemein, das viel mehr verinnerlichen würden. Nicht immer diese Pornosucht nach dem Motto schneller, härter, extremer, die ein völlig falsches Bild von einer erfüllten Sexualität darstellen.

    1. Lieber Reinhold,

      Danke für deinen Kommentar! Ich musste das selbst in meiner Entwicklung lernen. Manchmal mag ich die „animalische“ Art immer noch, und das ist auch in Ordnung. Aber trotzdem braucht es zunächst das Wissen über die achtsame Sexualität. Sie ist die Basis, der Rest kann darauf aufbauen. Und viele junge Menschen wachsen ohne dieses Wissen auf, das ist fatal.. Selbst bei Varianten, die in Richtung Dominanz gehen, spielt Achtsamkeit eine große Rolle. Siehe https://nachspueren.de/achtsamer-sex/.

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