Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag. Dennoch will ich es versuchen. Er handelt von einem Aspekt, der in der tantrischen Welt zwar nicht ausgeblendet wird, über den man in der Regel dennoch nicht gerne spricht. Es geht um Zweifel, Scheitern, Enttäuschung.

Im Rahmen von Seminaren – und meiner eigenen inneren Einkehr – durfte ich mehrere Male Dinge erleben, für die es keine Worte gibt. Manche würden es als Glückseligkeit bezeichnen. Andere als Ekstase, wieder andere als Frieden, Weite, Zeitlosigkeit. Ich selbst nenne es für mich die Unendlichkeit. Ein nicht gerade kleiner Begriff. Je höher man fliegt, umso tiefer ist der Absturz. Das klingt dramatischer, als es ist.

Und doch hatte ich damit zu kämpfen, wenn nach der Ekstase der Alltag folgte. Eine ganze Zeit lang konnte ich sie wiederherstellen, die Ekstase, „reproduzieren“ quasi. Da war alles gut. Ich war in Sicherheit. Dann gelang es mir plötzlich nicht mehr. Mir ist bewusst: Je mehr man etwas hinterherjagt, umso weniger erreicht man es. Ich übte mich täglich in Gelassenheit, durch Meditation und ähnliche Dinge. Dennoch war da ein tief verwurzelter Schmerz.

Keine Rosen ohne Dornen, ohne Schatten kein Licht, ohne Regen kein Regenbogen. Ich kenne die Weisheiten. Und ich weiß um ihren Sinn. In der Phase der Enttäuschung sind sie dennoch nur ein kleiner Strohhalm. Manchmal erwischte ich mich bei dem Gedanken:

Wäre es nicht besser gewesen, die Glückseligkeit niemals zu erfahren, dann könnte ich auch nichts vermissen?

Widerspruch, ich weiß. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment. Und ich durfte Glück erfahren, wo viel zu viele Menschen nur Leid kennen. Deswegen habe ich beschlossen, mein Wissen weiterzugeben, in der Form von Massagen. Das ist mein Beitrag. Heute weiß ich, dass es viele Formen der Glückseligkeit gibt. In kleinen Dingen, in der Zweisamkeit, in meiner Beziehung, meiner kleinen Familie oder in Begegnung mit anderen Menschen. Es muss nicht die Unendlichkeit sein. Trotzdem sind die Selbstzweifel manchmal immer noch da, und sie sind wohl menschlich.

Ich habe andere gefragt, wie sie mit den tantrischen Tälern umgehen. Wie sie Vertrauen finden. Es gibt sehr unterschiedliche Ansätze. Manche sind einfach nur glücklich. Mit dem was da war, und mit dem anderen was da jetzt ist, ohne zu suchen. Chapeau, so weit muss man erst einmal kommen. Andere probieren neue Dinge aus, gehen voll im Geben auf und teilen ihre Erfahrungen. Im schlimmsten Fall hetzen sie von Seminar zu Seminar, oder sie geben ganz auf. Die letzten beiden Varianten waren für mich keine Alternative. Kennst du dieses Gefühl der Enttäuschung nach dem Höhenflug? Wie gehst du persönlich damit um?

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Bilder: Jachan DeVol, Javier Allegue Barros @ Unsplash

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