Vor einigen Wochen ließ ich mich endlich wieder einmal selbst massieren – im Rahmen einer professionellen Tantra Massage. Und ich war ziemlich enttäuscht. Du willst die Tantra Massage lernen? Und das nicht nur für den privaten Hausgebrauch? Wunderbar. Warum Wochenend-Kurse dafür keineswegs ausreichen.

Die Massage war keineswegs schlecht, ich war entspannt, die Masseurin bemüht. Und doch fehlten gerade die kleinen aber wesentlichen Dinge, die eine tantrische Massage von einem reinen Wohlfühl-Angebot oder einer Erotik-Massage unterscheiden (wie du als Empfänger/Empfängerin seriöse Angebote findest, erfährst du in diesem Beitrag). Hier ein paar Beispiele:

  • Im Vorgespräch wurden wichtige Punkte nicht angesprochen, etwa die Frage nach körperlichen Einschränkungen oder nach der Lingam Massage.
  • Ich fühlte mich nicht geführt, weder vor noch nach der Massage. Auch der Ablauf wurde mir nicht ausführlich erklärt.
  • Das Ritual zu Beginn war mir deutlich zu schnell, es fühlte sich für mich distanziert an.
  • Die Gebende war viel zu schnell an meinen Chakren (Energiepunkte im Körper). Wenig Hinarbeiten, keine langsame Annäherung.
  • Später teils schöne Berührungen, dann aber wieder „Hinweghuschen“ über den Körper. Nun weiß ich, was meine Ausbilderin mit diesem Wort meinte. Und wie wichtig konkrete Berührungen sowie das Hineinfühlen sind.
  • Für mich ein No-Go: Beim Betreten meines Körpers wurde ich nicht um Erlaubnis gefragt. Generell fühlte ich mich zu wenig vorbereitet auf diesen sensiblen Moment. Es wurde kaum nachgefragt, wie ich die Berührungen empfinde.
  • Das Ambiente war teils unordentlich, der Raum nicht genügend geheizt (Ja, auch manche Männer mögen es warm, zumindest bei einer Massage).
  • Ich wurde im Nachgespräch nicht konkret um Feedback gebeten. Sonst hätte ich es direkt angesprochen, aber nach dieser Erfahrung war mir schlicht nicht mehr danach.

Ich bin natürlich anspruchsvoll. Und ich habe bereits einige großartige Massagen empfangen dürfen. Zudem ist das Thema heikel für mich – ich bin selbst Tantra Masseur, man kritisiert die eigene Zunft nur ungern. Doch umso mehr finde ich es schade, wenn eine Begegnung – die immerhin den Stempel „professionell“ trägt und nicht gerade wenig Geld kostet – dann an vermeintlichen Kleinigkeiten scheitert. Und die in einem schalen Gefühl endet, statt der Sexualität völlig neue Impulse zu geben. Ich schreibe diesen Beitrag, weil es von solchen halb-fertigen Tantra Massagen einige gibt, wie mir auch mein Umfeld immer wieder berichtet.

All die geschilderten Fehler sind schnell zu korrigieren. Etwa mit der richtigen Ausbildung, dem nötigen Feedback der Ausbilder*Innen oder einer Supervision. Denn unerfahrene Gäste – egal ob Mann oder Frau – denken dann, „so fühlt sich also eine Tantra Massage an“. Nein, so sollte sie sich nicht anfühlen. Zumindest dann nicht, wenn man aus eigener Erfahrung weiß, was möglich ist. So eignet sich eine Tantra Massage unter anderem in folgenden Situationen:

  • Du willst zurück ins Spüren kommen, deinen Körper und deine Sinne wieder mehr wahrnehmen.
  • Du lernst deine Sexualität intensiver kennen, um deine eigenen Wünsche besser zu äußern. Egal ob für dich oder in einer Partnerschaft.
  • Du willst die Energiezentren in deinem Körper erfahren, harmonisieren und stärken. Du kannst bewusster mit deiner Sexualenergie umgehen und ihre Kraft nutzen.
  • Du möchtest mehr über dich, deinen Ursprung und dein sexuelles Wesen erfahren. Dich als Frau oder Mann ganz annehmen. Du lernst, deinen Intimbereich (besser) zu fühlen.
  • Du nutzt deine sexuelle Kraft, um sie zu transformieren, und einen tieferen Bewusstseinszustand zu erreichen.

Die Vertiefung der Massage, die Yoni- oder Lingam Massage (Sanskrit: weiblicher und männlicher Intimbereich), bezieht alle Aspekte der Frau bzw. des Mannes achtsam mit ein. In einem klar definierten Rahmen bietet sie dir die Chance, deutlich mehr über dich und deine Sexualität zu erfahren, als es üblicherweise der Fall ist. Wie soll all das gelingen, wenn die Massage ganz wesentliche Punkte nicht berücksichtigt? Wie soll ich gar aufgefangen werden, falls tiefe Emotionen während der Massage hochkommen, was durchaus möglich ist?

Ich begegne immer mehr Menschen, die professionelle Tantra Massagen geben, und all dies in ein/zwei Wochenendkursen gelernt haben. Das kann nur schiefgehen – und darunter leidet unser Ruf. Denn in so kurzer Zeit bleiben genau jene Aspekte auf der Strecke, die ich zuvor beschrieben habe:

  • Die umfassende Begleitung des Gastes
  • Das passende Ambiente schaffen
  • Training von Vorgespräch und Nachgespräch, die richtigen Fragen stellen und Angebote daraus ableiten
  • Umgang mit sexuellen Störungen
  • Umgang mit tiefen Gefühlen und Emotionen
  • Energie- und Chakren-Arbeit, Energien spüren und lenken
  • Arbeiten mit verschiedenen Berührungsqualitäten
  • Eine Begegnung schaffen, die in die Tiefe geht, statt an der Oberfläche zu bleiben

Nicht umsonst dauert die Ausbildung bei einem seriösen Anbieter insgesamt bis zu zwei Jahre. Mit einem Auswahlverfahren, das mehr Interessierte „ablehnt“, als es zulässt. Mit Kursen im Umfang von mehreren Wochen, jeweils auf einzelne Sub-Themen heruntergebrochen. Mit unzähligen Übungsmassagen. Mit vorgeschriebenen Supervisionen. Mit Peer-Groups, fordernden Prüfungen (theoretisch und praktisch) sowie vielem anderem mehr.

Und danach lernt man weiter – auch ich bin noch längst nicht „fertig“. Die Welt braucht Männer und Frauen, die berühren können. Und das auf unterschiedlichsten Ebenen. Für dein privates Schlafzimmer sind Wochenendkurse prima. Aber bitte nicht für die professionelle Arbeit. Du hast nun einmal keine andere Ausbildung erfahren? Oder du machst dein System schon viele Jahre lang? Dann bilde dich fort. Vor allem suche dir Personen, die viel Massage-Erfahrung haben, und die dir ehrliches und ungeschminktes Feedback geben.

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Bilder: Nagy Arnold, Kari Shea, Elijah Hiett

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