Lust kann bei einer Tantra Massage ebenso auftreten wie unterschiedlichste andere Emotionen, auch im Wechsel. Etwa tief verwurzelte Trauer. Für viele EmpfängerInnen ist diese Erfahrung äußerst irritierend: Eben noch war da Ekstase, und in der nächsten Sekunde blickst du scheinbar in den Abgrund. Ein zutiefst heilsamer Prozess.

Mich selbst erwischt dieser Spagat regelmäßig, wenn ich massiert werde. Hauptsächlich tauchen dabei Bilder aus meiner persönlichen Biographie auf: Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, aber auch aktuelle Themen, die ich mit Traurigkeit verbinde. Besonders hilfreich sind diese Bilder dann, wenn sie Ereignisse betreffen, die ich tief in meinem Unterbewusstsein vergraben hatte. Oftmals erkenne ich intuitiv eine Verbindung zu aktuellen emotionalen Phasen. Ich weiß dann, warum ich heute auf bestimmte Dinge mit Trauer oder Wut reagiere, und wo diese Emotionen ihren eigentlichen Ursprung haben. Das erspart mir unzählige Sitzungen „auf der Couch“..

Wenn schwierige Erfahrungen oder gar ein Trauma dein Leben prägen, dann solltest du mit Bedacht an eine Tantra Massage herangehen. Egal ob es sich um sexuelle Themen handelt oder nicht: Sie können im Rahmen der Sitzung erneut wahrgenommen oder gar verstärkt werden. Zum einen solltest du derartige Themen unbedingt mit dem Masseur bzw. der Masseurin besprechen, bevor du dich auf die Reise einlässt. Zum anderen rate ich dir in diesem Fall dazu, die Massage therapeutisch begleiten lassen.

Doch was ist nun der Sinn dessen, dass Trauer und Freude so eng beieinanderliegen? Warum sollst du dich in einer Situation wie der Massage, in der du dir „schöne Gefühle“ erhoffst, mit gegenteiligen Emotionen herumschlagen? Der spirituelle Lehrer Osho hat hierzu weise Worte gefunden:

Sadness gives depth. Happiness gives height. Sadness gives roots. Happiness gives branches. Happiness is like a tree going into the sky, and sadness is like the roots going down into the womb of the earth. Both are needed, and the higher a tree goes, the deeper it goes, simultaneously. The bigger the tree, the bigger will be its roots. In fact, it is always in proportion. That’s its balance.

Das Ganze funktioniert übrigens nicht nur mit Freude und Trauer. Während eines tantrischen Jahrestrainings begegnete mir eine Übung, in der man sich bewusst von einer Emotion zu jeweils völlig anderen bewegte – innerhalb von Sekunden. Was am Anfang wie ein amüsantes Schauspiel anmutete, wurde schnell „Ernst“, und zu einer äußerst intensiven Erfahrung. Im Alltag – in dem Gefühle oder Emotionen meist nicht erwünscht sind – vergessen wir manchmal, uns unverstellt auszudrücken. Von daher begreife deine emotionalen Bedürfnisse als Chance. Sie zeigen dir, dass du voller Lebendigkeit bist – wenn du nicht in ihnen verhaftet und achtsam bleibst.

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Bilder: Michael Firnkes, Jeremy Bishop @Unsplash

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