Es gibt viele Männer, die heute gerne bei ihren Kindern wären, es aber nicht können oder dürfen. Weil die Mutter das nicht möchte. Meine Gedanken zu einem Phänomen, das allgemein nur wenig Beachtung findet – passend zum Vatertag.

Das Buch und der Film „Nicht ohne meine Tochter“ waren Anfang der 90er Jahre in aller Munde. Millionen ZuschauerInnen weltweit bewegte das Schicksal der Mutter, die im Ausland um ihr Kind kämpfen musste. Zu Recht: Das Drama – basierend auf einer echten Geschichte – zeigte eindrücklich, welches Leid vielen Frauen und ihren Kindern täglich widerfährt.

Was viele aber nicht wissen: Hierzulande sind es eher die Männer, die um den Kontakt mit ihren Kinder kämpfen. Und das selbst dann, wenn sie das offizielle Sorgerecht haben. Die Zahlen dürften in die Hunderttausende gehen. Mit unterschiedlichem Schweregrad: Vom Papa, der nach der Trennung mühsam verhandeln muss, seine Kinder regelmäßig zu sehen. Bis hin zu den Vätern, denen sich die Mutter komplett verweigert. Aus unterschiedlichsten Gründen. Nicht wenige verlieren den Kampf – und zerbrechen daran. Ebenso wie einige Kinder.

Ich spreche dabei nicht von gewalttätigen Menschen, denen der Kontakt verständlicherweise untersagt wird. Und auch nicht von jenen, die gar keinen Kontakt zu ihren Kindern haben wollen, oder wo das Kind dies nicht möchte. Sondern von ganz normalen, liebevollen Vätern wie du und ich. Ich zitiere:

– so lauten die Schlagzeilen der Medien, bei denen man die Hintergründe nachlesen kann. Organisationen wie Trennungsväter e.V. kümmern sich um die Betroffenen. Meist sind ihnen aber ebenfalls die Hände gebunden.

Ich selbst war nach der Trennung von meiner Ex-Frau bei zwei Anwälten, da sie Anfangs versuchte, den Kontakt zu unterbinden. Auf den Nenner gebracht lautete die Aussage der Experten: „Keine Chance! Stellen Sie sich möglichst gut mit ihrer Ex-Frau, und hoffen Sie.. Sie werden immer von ihr abhängig sein, wenn Sie Ihre Tochter weiterhin sehen wollen.“. Beim Familienrecht gebe es in Deutschland nach wie vor keine Gleichberechtigung – in diesem Fall zu Lasten der Männer. Richter wie Richterinnen entscheiden in der Regel für die Mutter. Unabhängig davon, wie die Hintergründe sind oder wer sich warum getrennt hat. Und vor allem unabhängig davon, wie es den Kindern damit geht. Modelle der wechselseitigen Erziehung, wie sie in Skandinavien vorgelebt werden, setzen sich bei uns nur sehr langsam durch. Und auch hier nur dann, wenn die Mutter dies möchte.

Ich habe lange versucht herauszufinden, warum meine Ex-Frau so entschied, wie sie es entschieden hat – ohne mich zu fragen. „Ein Kind gehört zu seiner Mutter, da bin ich konservativ“ – sagte sie einmal. Männer als naturgemäß schlechtere Elternteile? Veraltete Rollenmodelle gibt es auf beiden Seiten. Doch ich will nicht jammern. Immerhin sehe ich meine Tochter einigermaßen regelmäßig. Ich würde dies gerne öfter tun. Aber wenn wir uns sehen, dann genieße ich die Zeit unglaublich. Insofern ist die Überschrift „Väter ohne Kinder“ natürlich irreführend. Das Kind ist immer „da“. Doch gerade Betroffene, die gar keinen Kontakt haben, fühlen sich alleingelassen. Papas wie auch ihre Sprösslinge.

Warum schreibe ich all das, und vor allem warum hier in diesem Blog? Zum einen bin ich auf meinen Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung und auch zu Tantra übermäßig vielen Männern begegnet, denen ihre Kinder komplett weggenommen wurden – von der Mutter. Klasse Kerle, tolle achtsame Männer. Das Leid, das aus ihren Augen blickte, war für mich nur schwer zu ertragen. Und das nicht nur aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit dem Thema.

Auf denselben Seminaren erfuhr ich von anderen TeilnehmerInnen, wie sie ihr Leben lang zu kämpfen haben, wenn ein Elternteil nicht anwesend sein wollte oder konnte:

Kurz gesagt: Viel Unheil in der Welt entsteht dadurch, dass Mütter oder Väter ihren Rollen nicht gerecht werden. Oder dass ihnen die Möglichkeit genommen wird, dies zu tun.

Die Grundaussage dieses Blogs ist: Ich wünsche mir mehr Achtsamkeit. Im Umgang der Männer mit den Frauen. Aber eben genauso im Umgang der Frauen mit den Männern. Hinterfragt es, wenn ein Kind ohne Vater aufwächst. Schaut nach den Hintergründen. Und gebt nicht automatisch einem Geschlecht die „Schuld“. Das ist der Anfang von Veränderung.

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Bilder: Tina Bo, Szilvia Basso, Arleen Wiese @Unsplash

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